Eine Einführung in das Projekt

Malerei ist in der Fläche angesiedelt, Musik bewegt sich in der Zeit - das scheint auf den ersten Blick auf das Schicksal der Königskinder hinauszulaufen: die beiden Kunstwelten können zusammen nicht kommen. Dass Farbe, Form und Klang aber doch in einer gemeinsamen Galaxie existieren, ergab der zweite, genauere Blick, den der Leistungskurs Kunst (1996/98) des Wirsberg-Gymnasiums Würzburg zusammen mit seiner Leiterin Sabine Blum-Pfingstl auf ein besonderes Stück Musik warf: auf das Tongemälde „Schattenstück“ von Wolfgang Rihm. Diese Komposition, die aus der Auseinandersetzung Rihms mit Werk, Person und Arbeitsweise seines Freundes und Kollegen, des dänischen Malers, Bildhauers und Geologen Per Kirkeby, entstanden ist, regte die Kollegiatinnen und Kollegiaten an, einen umgekehrten Weg zu gehen und Bilder aus dem Hörerlebnis der „Schattenstück“-Musik heraus entstehen zu lassen. Dazu wurde die Zusammenarbeit mit dem Würzburger Sinfonieorchester Ensemble con brio gesucht, das für sein Wintersemester-Programm 1997/98 das „Schattenstück“ studierte.

Eine umfangreiche Projektarbeit ergab sich: In einer ersten Klangbegegnung (vom Tonband) erlebten die Schülerinnen und Schüler Rihms Musik als etwas Fremdes und Nahes zugleich und fertigten erste Skizzen. In den begleitenden Leistungskursunterricht, der kunstgeschichtliche, kunstpsychologische und handwerkliche Themen anschnitt, wurde eine weitere besondere Begegnung mit der Klang- und Vorstellungswelt Wolfgang Rihms integriert: Prof. Dr. Klaus Hinrich Stahmer von der Würzburger Hochschule für Musik, selbst namhafter Komponist, führte mit den Kollegiatinnen und Kollegiaten ein Gespräch über die Situation der Neuen Musik und über Rihms besondere Ansätze - ein künstlerischer und kognitiver Vertiefungs- und Ordnungsprozeß war damit eingeleitet. Solchermaßen mit der „Schattenstück“-Musik vertraut besuchten die SchülerInnen eine Orchesterprobe des Ensemble con brio; in einer Atmosphäre genauen, kurzschrittigen und zergliedernden Probens, bei dem der emotionale und handwerkliche Umgang der Musiker und des Dirigenten Gert Feser mit der komplizierten Klangwelt im Mittelpunkt stand, verdichteten sich für die LeistungskursteilnehmerInnen alte und neue Erfahrungen mit dem „Tongemälde“ zu weiteren Skizzen. Schließlich wurden - in einem abschließenden Schritt der unterrichtlichen Vermittlung und Heranführung - Kontakte zu Wolfgang Rihm und Per Kirkeby hergestellt und die daraus gewonnenen Anregungen in die bildnerischen Arbeiten eingeleitet.